09.06.09 11:00 Alter: 3 yrs

Gabriel: Kernkraft und erneuerbare Energien passen nicht zusammen

Bei der Nutzung der Windenergie geht Bundesumweltminister Sigmar Gabriel davon aus, dass in Deutschland bis 2020 Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 10.000 MW auf See installiert werden, was gleichzeitig einen Riesenschub für die maritime Wirtschaft und die Küstenstandorte bedeutet. Gabriel: "Wir erschließen da ein erhebliches Potenzial für die Bereiche Arbeitsplätze, Energieversorgungssicherheit und Klimaschutz." Auf dem Forschungsgebiet will Gabriel mit Blick auf die Exportnation Deutschland die Weiterentwicklung weltmarktfähiger Offshore-Windkraftanlagen unterstützen. "In der Windkraft ist Deutschland Technologieführer, und das wollen wir auch bleiben", so Gabriel. Ein weiterer Förderschwerpunkt im regenerativen Forschungsspektrum ist die Optimierung des Stromversorgungssystems, um erneuerbare Energien besser zu integrieren. Ziel ist es, ein innovatives, zukunftsfähiges Energiesystem mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zu schaffen. Projekte wurden auf den Weg gebracht, die zeigen sollen, wie Elektrofahrzeuge zur Systemintegration erneuerbarer Energien genutzt werden können.  
 
Einer Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken erteilte Gabriel erneut eine Absage. Wie die Argumente der Stromversorger in Großbritannien untermauerten, würde eine Verlängerung den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung in Deutschland massiv behindern. Gabriel: "Kernkraft und erneuerbare Energien passen einfach nicht zusammen. Es macht schon einen Unterschied, ob die großen, alten Atommeiler als Anbieter und Wettbewerber im Strommarkt bleiben oder nach und nach vom Netz gehen, wie es zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft vertraglich vereinbart ist".  
 
Beim Thema Klimaschutz erwartet Gabriel in Kopenhagen ein Kioto-Nachfolgeabkommen, das den Klimawandel tatsächlich begrenzt und gleichzeitig von allen Staaten als fair akzeptiert wird. Diese doppelte Aufgabe müsse bis Dezember gelöst werden. Gabriel: "Einfach wird das nicht". Die in Deutschland zu beobachtende Frontstellung zwischen Emissionshandel und EEG ist laut Gabriel allerdings erstens akademisch, zweitens falsch und werde drittens gerne von denen vorgetragen, die eigentlich beides nicht wollten. Gabriel: "Den Emissionshandel brauchen wir, um international und auf EU-Ebene buchstäblich handlungsfähig zu sein, Treibhausgase bekommen damit ein Preisetikett. Das EEG wirkt auf völlig anderer Ebene. Es ist ein unglaublich wirksames Instrument, das uns den Boom der erneuerbaren Energien zu bemerkenswert niedrigen Preisen bringt." Diese Erfahrung machten alle Staaten, die ihre eigene EEG-Variante entwickelt und in Kraft gesetzt hätten. Das vollständige Interview mit Umweltminister Sigmar Gabriel kann im IWR-Monatsreport 05/09 "Regenerative Energiewirtschaft" nachgelesen werden.  
 
Download: www.iwrpressedienst.de/iwr/Monatsreport  
 
Quelle: IWR 05.05.09