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DIHK-Studie: Aktuelle Energiewende-Politik kostet bis zu 5,4 Billionen Euro

DIHK fordert Kurswechsel

Die Energiewende in ihrer aktuellen Ausgestaltung führe langfristig zu massiven Kostenbelastungen für Unternehmen und Haushalte, die mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nur schwer vereinbar sind. Das geht aus der Studie „Neue Wege für die Energiewende (‚Plan B‘)“ hervor – so eine Mitteilung der DIHK vom 3. September 2025. Die Kosten könnten sich nach der von der DIHK beauftragten Untersuchung bis zum Jahr 2049 auf über fünf Billionen Euro summieren.

Bei Fortführung der aktuellen Energiepolitik müssten sich die jährlichen privaten Investitionen in den Sektoren Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr mehr als verdoppeln – von rund 82 Milliarden Euro im Mittel der Jahre 2020 bis 2024 auf mindestens 113 bis 316 Milliarden Euro im Jahr 2035, so die Studie, in der die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics den derzeitigen Kurs in der Energiepolitik analysiert und Alternativen aufgezeigt hat.

„Ein zu hoher Transformationsdruck in Form unrealistischer Vorgaben führt zu extrem hohen und weiter steigenden Kosten, Fehlallokationen und Ineffizienzen“, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian. Die deutsche Wirtschaft ziehe bereits Konsequenzen – energieintensive Unternehmen verlagerten ihre Produktion und damit Arbeitsplätze schon jetzt verstärkt ins Ausland. Der DIHK-Präsident warnt: „Wenn wir den aktuellen Weg der Energiepolitik unter diesen Vorgaben weitergehen, gefährden wir nicht nur den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern erweisen auch dem notwendigen Ziel der Klimaneutralität einen Bärendienst.“ Es brauche dringend ein Umdenken in der Energiepolitik, um die Belastungen durch die Energiewende in Deutschland zu reduzieren.

Denkanstöße für kosteneffizientere Energiewende

Die Studie von Frontier Economics macht hierzu konkrete Vorschläge und skizziert in Teilen einen grundlegenden Kurswechsel in der Energiepolitik. Zentrales Instrument in dem vorgeschlagenen Modell ist ein umfassender CO2-Zertifikatehandel. Der Zielpfad sollte regelmäßig an die Entwicklung einer internationalen Peer Group angepasst werden, um ambitionierten Klimaschutz zu erreichen, ohne Nachteile durch nationale Alleingänge für den Standort Deutschland zu erzeugen. Zudem soll die Regulierung umfassend entschlackt, der Technologiewettbewerb verstärkt sowie die vorhandene Energieinfrastruktur weiter genutzt werden (Letzteres insbesondere bei Gasnetzen).

Auch kurzfristige Kostensenkungspotenziale nutzen

Die Vorschläge der Studie müssten gleichzeitig auch ganz praktisch kurzfristig genutzt werden, glaubt man bei der DIHK. Dazu gehöre eine übergreifende Netzplanung, ein Auslaufen der Erneuerbaren-Förderung für bereits wirtschaftliche Anlagen und ein effizienterer Energiemix, der auch den Einsatz von Biomethan, blauem Wasserstoff oder mit CCS dekarbonisiertem Erdgas technologieoffen berücksichtige. Zudem sei es besser, den Bau neuer Gaskraftwerke nicht über eine staatliche Förderung, sondern über marktwirtschaftliche Anreize zu steuern – wie einer Absicherungspflicht für Stromversorger.

Auch kleinteilige Regulierung, Komplexität und bürokratische Prozesse stünden der Energiewende im Weg und kosteten Akzeptanz. Insbesondere auf EU-Ebene sei durch den Green Deal ein Wildwuchs an Bürokratie entstanden. Auf nationaler Ebene sollten nach Auffassung der DIHK das Gebäudeenergiegesetz vereinfacht und die Effizienzgesetzgebung verschlankt werden.


Die gesamte Studie „Neue Wege für die Energiewende (‚Plan B‘)“ gibt es zum Download auf der Website von Frontier Economics.