Alle zwei Monate veröffentlicht der Verband der Speicherbetreiber – die „Initiative Energien speichern“ (INES) – ein Update seiner Gas-Szenarien. Mit dem Mai-Update wird die aktuelle Gasversorgungslage in Deutschland für den kommenden Winter unter verschiedenen Wetterbedingungen analysiert. Aufgrund der neuen herabgesetzten Füllstandsvorgaben, die kürzlich vom BMWK erlassen wurden, hat INES zusätzlich die Auswirkungen geringerer Gasspeicherfüllstände analysiert, mit Besorgnis erregendem Ergebnis.
Die aktuelle Analyse zeigt: Deutschland ist mit einem vergleichsweise niedrigen Speicherfüllstand von rund 29 Prozent in das neue Speicherjahr am 1. April 2025 gestartet. Seither schreitet die Befüllung nur langsam voran. Technisch wäre jedoch eine vollständige Befüllung der Speicher bis Oktober 2025 – unabhängig vom Temperaturverlauf – über die bestehenden Gasinfrastrukturen des europäischen Binnenmarkts möglich.
Im aktuellen INES-Gas-Szenario ist mit einem signifikanten Anstieg des Gasverbrauchs ab Oktober 2025 zu rechnen – erstmals wird im November im Monatsmittel wieder ausgespeichert. Bei durchschnittlichen bis milden Temperaturen im Winter 2025/26 werden die Speicher nur moderat bis umfangreich entleert. In diesen Szenarien lässt sich die gesetzliche Mindestfüllstandsvorgabe von 30 Prozent zum 1. Februar 2026 problemlos einhalten.
Bei einem extrem kalten Winter hingegen werden die Speicher bis Mitte März 2026 vollständig aufgebraucht. Selbst bei weiterhin sparsamen Verbrauchsmustern wäre eine vollständige Bedarfsdeckung gerade noch möglich.
Risiken für Versorgungssicherheit
Mit der am 30. April 2025 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz erlassenen Gasspeicherfüllstandsverordnung (GasSpFüllstV) wurden die gesetzlichen Vorgaben bis März 2027 angepasst. Für den kommenden Winter bedeutet dies eine Reduzierung der Speicherzielvorgabe auf 70 Prozent zum 1. November. INES hat daraufhin eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt, um die Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit zu bewerten.
Das Ergebnis: Wird dieses Ziel umgesetzt, kann selbst bei vollständiger Befüllung der Speicher in anderen EU-Staaten ein von aktuellen Einsparungen geprägter Verbrauch in Deutschland nicht vollständig gedeckt werden. Bei extrem kalten Temperaturen tritt eine Gasmangellage auf – an einzelnen Tagen bleiben über 17 Prozent des Bedarfs unversorgt. INES kommt zu dem Schluss, dass die staatlich abgesicherte Befüllung der Gasspeicher zu 70 Prozent zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Deutschland unzureichend ist. Das nächste Update soll am 9. Juli vorliegen.